Orakel,
Zukunft und Selbstverantwortung
Viele
Menschen möchtern gerne wissen, wie ihre Zukunft aussieht, was
in der nächsten Zeit auf sie zukommt, beruflich, gesundheitlich
oder in Liebesangelegenheiten.
Welche Methoden machen wirklich Sinn und sind Wegweiser im Dunkeln
und welche weniger oder können sogar für unser Seelenwohlbefinden
und unsere psychische Gesundheit sogar u.U. verheerende Folgen haben?
Sich diese Frage zu stellen macht durchaus Sinn.
Sich überhaupt Fragen zu stellen macht nicht nur Sinn, es ist
sogar unbedingt nötig um bestehende Widersprüche zu erkennen.
Ein Beispiel: Ich höre immer wieder die Ansicht, dass es gar
kein morgen oder gestern gibt, sondern dass alles im Jetzt, im Hier
und Jetzt passiert. Manche verfechten diese Ansicht sogar ziemlich
feurig.
Nun gut, daran glaube ich gerne, denn Zeit ist analog und relativ
und viele spirituelle Fragen lassen sich nicht beantworten, wenn man
die Zeit als etwas Existierendes betrachtet. Oder wie lange ist denn
Ewigkeit? Aber wenn das so ist und die Zeit nur im Jetzt existiert,
wie kann es eine bereits vorbestimmte Zukunft geben?
Wie kann ein Hellseher wissen, was in Ihrer Zukunft passieren wird,
wenn es nur ein Jetzt gibt?
Hmm. ist vielleicht das, was wir Zukunft nennen und erleben werden
"nur" die Summe aller unserer Gedanken und Gefühle,
also Hoffnungen, Ideen, Ängste, Freuden, Zweifel? Wäre doch
eine einfache Erklärung, die Schöpfung ist einfach, die
Naturgesetze sind einfach. Wären dann die Hellseher mit ihren
verschiedenen Methoden dann nichts anderes als eine Art "Auraleser",
die diese Ist-Situation in unserem Bewusstsein herauslesen?
Das würde aber in der Konsequenz auch heissen, dass diese Prognosen
allesamt grundsätzlich falsch sind, manchmal aber wahr werden.
Das entspricht auch der Erfahrung mit Vorhersagen.
Warum ist das so? Im Prinzip einfach: Wenn ich weiterhin so denke
und empfinde wie in diesem Moment, dann wird diese Energie mich in
eine bestimmte, diesen Gedanken entsprechende Richtung führen.
Nach dem Gesetz der Entsprechung werde ich auch äusserlich Situationen
anziehen, die dies bestätigen und schon wird die Zukunft wahr
und der oder die Hellseherin hat Recht behalten. Wenn ich jedoch etwas
in meinem Denken ändere, passt sich die mögliche "Zukunft"
augenblicklich an, in dem Mass, wie intensiv diese Änderung des
Denkens ist. So einfach könnte es sein.
Vielleicht nehme ich den Hellsehern damit das Brot weg, aber wenn
das so ist, tue ich es gerne, denn Vieles geschieht nicht, weil es
so kommen musste, sondern weil es jemand, der "so etwas sehen
kann" gesagt hat.
Er hat es ja vielleicht auch wirklich so gesehen, ich möchte
niemanden als Betrüger darstellen, aber es ist eben vielleicht
nur ein Gedanke, eine Angst, eine Hoffnung im Energiefeld des Fragenden
und nicht seine Zukunft. Durch dieses Abgeben der Verantwortung an
den Hellseher wird es jedoch schnell zur unabänderlichen Zukunft,
da es die bestehenden Gedanken nun stützt und nährt. Man
hat ja schliesslich Vertrauen in diesen Berater oder Beraterin oder
ein anderes Orakel. Jedem nach seinem Glauben, wird oft aus der Bibel
zitiert, aber kaum jemand denkt konsequent genug über diese Aussage
nach.
Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, Orakel zu befragen, aber
man muss sich bewusst sein, dass es nur das widerspiegeln kann, was
in unserem Bewusstsein schon vorhanden ist. So kann ich mir Dinge
bewusst machen, die ich evtl. bisher unterdrückt habe. Das kann
sehr heilend sein.
Und so waren Orakel auch schon immer von Eingeweihten und Mystikern
dargestellt, als ein Tor zu den Tiefen seines Selbst, und nicht als
Anweisung, wie man sich entscheiden sollte, obwohl man es meistens
als das missbraucht hatte. Und es leider immer noch so tut...
Somit ist jeder selbst verantwortlich für seine Zukunft. Und
wer dem Orakel, dem Hellseher die Macht gibt über seine Zukunft
gibt zwar Verantwortung ab, trägt aber vollumfänglich die
Konsequenzen. Wieviele positiven Dinge konnten nicht geschehen, wie
viele passende Seelen gingen auseinander oder kamen erst gar nicht
richtig zusammen, weil jemand aus Angst ein Orakel oder einen Hellseher
konsultiert hat und dieser diese Angst und Unsicherheit interpretiert
hat. Ich würde von diesen "Hellsehern" auch mehr Verantwortung
erwarten...
Es macht doch einen grossen Unterschied, wie ich es jemandem sage,
der zu mir kommt und mich nach etwas fragt oder ich es bei ihm "sehe".
Ich kann
sagen:
"Ich sehe bei Ihnen eine gewissen Zweifel oder Angst bezüglich
Ihrer Partnerin/Partner. Was ist Ihre Angst, was befürchten Sie?
Und warum, woher kommt es? Wollen wir dem auf den Grund gehen?"
oder
"Hmm, das mit Ihrer Partnerin/Partner kommt nicht gut, vielleicht
gehen Sie auseinander, vielleicht verlässt sie/er Sie."
Oder so ähnlich...
Wenn ein Partner Angst hat, dass ihn der andere Partner verlassen
könnte, dann wird das seine Gründe haben und die müssen
auf den Tisch. Nur so kann man Probleme lösen solange sie noch
klein sind.
Vielleicht trete ich jemanden auf die Zehen mit diesen Zeilen. Weh
tun möchte ich niemandem, aber wenn es bewirkt, dass ein paar
Menschen sich mehr Gedanken machen, bevor sie ein Orakel, egal welcher
Form, oder eine/n HellseherIn konsultieren und sich vorher überlegen,
ob sie auch mit der Antwort richtig umgehen können, dann habe
ich mein Ziel schon erreicht. Und wenn man sich noch selber und seine
Ängste und Gedanken hinterfragen würde, dann bin ich glücklich.
Die Frage "Warum" ist sicher eine der wichtigsten und die
sollte man lieber einmal zu oft als zu wenig stellen. Wir schlucken
schon zu viel und zu schnell ohne es zu hinterfragen.
Dieser Text widerspiegelt meine persönliche Meinung, mein Wissen
und meine Erfahrung, aber ich freue mich auf jede andere Meinung und
werde sie ernsthaft für mich prüfen.