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Tantra

yinyang2Der Begriff Tantra wird bei uns sehr häufig falsch verstanden und mit Inhalten verknüpft, die nicht viel damit zu tun haben. Tantra ist sehr viel mehr als nur Körperlichkeit. Tantra vertritt keine materialistische Weltsicht, sondern ist eine sehr spirituelle Philosophie, die den Mensch als göttliches Wesen in den Mittelpunkt stellt. Es ist einer der Wege zur persönlichen spirituellen Entwicklung. Anders als die meisten anderen Wege, schliesst es den Körper und die Sexualität des Menschen nicht aus, sondern nutzt ganz gezielt diese enormen Energien aus und lenkt sie in die richtige Richtung. In vielen anderen spirituellen Richtungen werden die sexuellen Energien unterdrückt. Abschalten kann man sie jedoch nicht. Wenn etwas an einer Stelle unterdrückt wird, kommt es an einer anderen Stelle wieder hoch. Meist unkontrolliert. Deshalb schliesst Tantra die Sexualität als eine enorme Kraft nicht aus, sondern ein. Bei Tantra werden die oberen Chakren nicht von den unteren getrennt, sondern als Ganzheit dem Menschen zur Verfügung gestellt.

 

Sinnlichkeit und Sinnhaftigkeit

Bei Tantra geht es u.a. um diese zwei Begriffe. Sinnlichkeit meint den bewussten innigen Kontakt mit allen Sinnen, zuerst den körperlichen, dann den metaphysischen. Erst wenn alle körperlichen Sinne beherrscht werden, können sich die metaphysischen vollends entwickeln. Dies geschieht nur, wenn man ein hohes Körperbewusstsein entwickelt.
Ausserdem sitzen sehr viele innere emotionale Blockaden im körperlichen System. Oft kommt man an diese nicht so einfach ran, weil die Ursache weit in der Vergangenheit liegt (in diesem oder früheren Leben). Während z.B. einer Tantra-Massage kommen anfangs sehr häufig Emotionen an die Oberfläche, die man schon lange verdrängt hat und die nun integriert werden können. Das Ergebnis ist stets ein befreiter Geist, ein energetisierter Körper und somit ist Tantra eine radikal ganzheitliche Methode der persönlichen Entwicklung.
Hier setzt der Begriff Sinnhaftigkeit ein. Wie bereits erwähnt, ist Tantra keine rein körperliche Übung, sondern bereitet den Weg zum Selbst vor, zur Selbsterkenntnis, die wiederum spirituelles Wachstum hervorbringt. Ein ganzheitlich entwickelter Mensch wird nicht von unbewussten Bedürfnissen, die sich zu unkontrollierten Trieben steigern, gelenkt, sondern lenkt die eigenen Energien selber. Dadurch wird er innerlich frei, sein Leben sinnhaft.

 

Der Körper ist der Tempel der Seele

orchideeUnter diesem Satz sollte man keinen reinen Materialismus verstehen. So ist er nicht gemeint. Es geht darum, dass der Körper ein Gefäss für die Seele ist und eine Projektionsfläche für seelische Vorgänge. Jedes Gefühl, dass der Mensch fühlt, kann er mit etwas Übung im Körper lokalisieren. Oftmals ist es möglich, verdrängte und somit unbewusste seelische Konflikte über den Körper zu heilen. Der Körper gehört zum Menschen, so lange er auf der Erde weilt und ist ein wertvolles Werkzeug. Es ist die Schnittstelle zwischen der Seele und der Umwelt. Achtet man ihn und hört auf ihn, wie auf einen guten Freund, fühlt sich die Seele wohl in diesem Zuhause.

Tantra ist eine ganzheitliche Philosophie und umfasst im wörtlichen Sinn Körper, Geist und Seele um den Menschen persönlich spirituell weiter zu bringen. So muss Tantra auch verstanden werden und nicht als Ausrede fürs Ausleben von sexuellen Bedürfnissen, die man sich sonst nicht traut zu leben. So wird es jedoch oft missbraucht und hat einen etwas zweifelhaften Ruf bekommen. Die Sexualität gehört zum Menschen genau so wie Essen, Trinken, Schlafen, Denken und Fühlen. In seiner Sexualität kommt der Mensch so nah an sich, wie sonst wohl in kaum einem anderem Bereich.

 

Der mystisch-spirituelle Aspekt von Tantra

Das sichtbare und unsichtbare Universum ist polar aufgebaut. Um etwas zu schöpfen oder zu bewegen benötigt es die Spannung und als Ergebnis dieses Spannungsfeldes entsteht erst Bewegung, Manifestation von etwas Drittem. Dieses Dritte ist das Leben in allen seinen Facetten.

Yin & Yang, die Vermählung von Shakti und Shiva, die Vereinigung von Bewusstsein und Energie, die mystische Hochzeit der Alchimisten (Chimische Hochzeit) unterstreichen diesen Hintergrund. Selbstverständlich gehört die Vereinigung von Mann und Frau ebenfalls in diese Kategorie. Es ist ein höchst kreativer und ekstatischer Akt und einige Mythologien beschreiben die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau als der Versuch der Seele, dem Einssein mit sich und damit dem Göttlichen wieder ganz nah zu kommen. Deshalb ist die Sexualität im Menschen so energetisch intensiv. Sie ist die Ausprägung der Schöpferkraft.

Dass sie moralischen - von gewissen Menschen geschaffenen - Regeln unterworfen wurde, schmälert ihre Bedeutung nicht. Im Gegenteil, durch die Unterdrückung entstehen erst Verhalten und Neigungen, die anderen Mitmenschen u.U. Schaden zufügen.

 
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