Wer sind nun die Terroristen?
Am 22.2.2006 (Interessante Zahlenkombination!) erschütterte die Welt die Meldung über den Bombenanschlag auf eine der heiligsten Stätten der Schiiten. Die mit goldenen Kuppeln beschmückte Stätte liegt in Trümmern und eine grössere Provokation für die Schiiten im Irak ist kaum vorstellbar.
"Wir werden diesen Akt nicht nur verurteilen und dagegen protestieren, wir werden gegen diese Militanten auch vorgehen", meinte ein Sprecher des jungen, radikalen Schiitenführers Muktada al-Sadr. "Wenn die irakische Regierung nicht in der Lage ist, ihre Arbeit zu tun und das irakische Volk zu verteidigen, werden wir es tun."
Diese kriegerischen Worte haben grosses Gewicht: Mindestens 10.000 bewaffnete Kämpfer stehen unter dem Befehl von al-Sadr, der seit seinem versuchten Aufstand gegen die US-Armee ziemlich populär geworden ist.
Der geistige Führer der Schiiten beruhigt und ruft auf, keine Gewaltakte der Rache gegenüber den Suniten zu unternehmen. Das seien Versuche ausländischer Terroristen, ihr Land zu spalten. Sind das nur Worte?
Am 19.9.2005 verhaftete die irakische Polizei nach einer wilden Schiesserei in Basra zwei Angehörige der britischen Spezialeinheit SAS. Ihre gewaltsame Befreiung durch die britische Armee ist durch die Medien bekannt geworden. Die Briten stürmten mit Panzern das Gefängnis und holten die zwei Männer in bester Cowboy-Manier heraus. Die Hintergründe sind jedoch der breiten Öffentlichkeit nur sparsam und nicht in den Titelzeilen präsentiert worden. Diplomatisch gabs jedoch starken Protest gegenüber der britischen Regierung.
Die zwei wurden bei einer routinemässigen Fahrzeugkontrolle angehalten. Statt dem Befehl zu folgen, hätten sie versucht, sich den Weg frei zu schiessen. Ein Polizist wurde getötet, mehrere Menschen verletzt. Die britische Seite hat, nachdem sie von der Verhaftung gehört hat, verlangte die sofortige Übergabe der beiden an die Besatzungskräfte. Die britische Forderung wurde denn auch von der Regierung in Baghdad unterstützt, die Polizei in Basra jedoch weigerte sich, dies auch auszuführen. Danach hatten britische Panzerfahrzeuge die Polizeistation umstellt, die Herausgabe der beiden gefordert und sind darauf ins Gefängnis eingedrungen. Die Gefangenen waren allerdings bereits an einen anderen Ort gebracht worden, wo sie später von den Briten befreit wurden. Bei der Stürmung des Gefängnisses ist es zu mehreren Todesopfern, auch unter der Zivilbevölkerung gekommen. Selbst im gewaltgewohnten Irak hat die brutale Operation der britischen Besatzer Spekulationen darüber ausgelöst, wieso diese beiden SAS-Soldaten so wichtig seien, dass die Briten, die in der Vergangenheit im Ruf standen, in ihrer Besatzungszone dank ihrer jahrzehntelangen und weltweiten Erfahrung als Kolonialmacht erfolgreicher zu sein als ihre weniger diplomatischen US-Kollegen, diesen Ruf und damit die relative Ruhe in der Region derart aufs Spiel setzten. Eine mögliche Erklärung lieferte der irakische politische Analytiker Dr. Walid Al-Zubaidi in „Abu Dhabi TV". Der Fernsehsender behauptete am 21.9., der Wagen der SAS-Soldaten sei mit Sprengstoffen beladen gewesen, und sie seien auf dem Weg in das Stadtzentrum gewesen, um diese dort zur Explosion zu bringen. Dr. Al-Zubaidi sagte in dem Interview, die Iraker seien jetzt sicher, dass die britischen Besatzungskräfte für die vielen Terrorattentate verantwortlich seien, die in dem Bemühen, einen sunnitisch-schiitischen Bürgerkrieg im Irak vom Zaun zu brechen, schon Tausende Iraker das Leben gekostet habe. Er erwähnte eine Reihe solcher Attentate, bei denen die Polizei und irakische Zeugen die Besatzungskräfte als Täter bezeichnet hätten. Allerdings liege jetzt zum ersten mal ein Beweis vor.
Bereits am 19.9. hatte die chinesische Nachrichtenagentur "Xinhua", auf Quellen im irakischen Innenministerium Bezug nehmend, darauf hingewiesen, dass die beiden SAS-Soldaten in arabischer Stammestracht unterwegs gewesen seien, dass ihr Zivilfahrzeug Sprengstoffe transportiert habe und dass sie zunächst Schüsse auf eine Polizeistation abgegeben hätten.
"Reuters" wies am nächsten Tag darauf hin, dass der Zwischenfall unmittelbar vor einem bedeutenden religiösen Ereignis in Basra stattgefunden habe. Bereits am 15.9. hatte der britische Journalist und langjähriger Kenner der Region, Robert Fisk, im Londoner „Independent" die USA und Grossbritannien beschuldigt, im Irak einen Bürgerkrieg inszenieren zu wollen, um es ihnen zu erlauben, dort zu bleiben.
Auch da bleibt es jedem überlassen, zu urteilen, wieviel daran wahr sein könnte.